18.10.2020 (Apg. 6, 1-7): Funktionale Differenzierung  und das Evangelium

Video des Gottesdienstes

Gottesdienstblatt

Epheser 4, 20-32 (Luther 2017) Epheser 4, 20-32 (Neue evangelistische Übersetzung)

20 Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt;
21 ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist:
22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet.
23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn
24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
25 Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind.
26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen
27 und gebt nicht Raum dem Teufel.
28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.
29 Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.
30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung.
31 Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.
32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

20   Aber ihr habt gelernt, dass so etwas mit Christus nichts zu tun hat.

21   Ihr habt von ihm gehört und auch verstanden, was in Jesus Wirklichkeit ist;

22   dass ihr in Hinsicht auf euer früheres Leben den alten Menschen abgelegt habt. Denn der richtet sich in Verblendung und Begierden zugrunde.

23   Ihr dagegen werdet im Geist und im Denken erneuert,

24   da ihr ja den neuen Menschen angezogen habt, den Gott nach seinem Bild erschuf und der von wirklicher Gerechtigkeit und Heiligkeit bestimmt ist.

25   Als Menschen, die das Lügen abgelegt haben, müsst ihr einander die Wahrheit sagen. Wir sind doch als Glieder miteinander verbunden.

26   Versündigt euch nicht, wenn ihr zornig werdet! Die Sonne darf über eurem Zorn nicht untergehen!

27   Gebt dem Teufel keinen Raum in euch!

28   Wer ein Dieb war, soll nicht mehr stehlen, sondern hart arbeiten und mit eigenen Händen seinen Lebensunterhalt verdienen, damit er Notleidenden davon abgeben kann.

29   Lasst kein hässliches Wort über eure Lippen kommen, sondern habt da, wo es nötig ist, ein gutes Wort, das weiterhilft und allen wohltut.

30   Sonst kränkt ihr den Heiligen Geist, den Gott euch als Siegel aufgeprägt hat und der euch die volle Erlösung garantiert.

31   Fort also mit aller Bitterkeit, mit Wut, Zorn und gehässigem Gerede! Schreit euch nicht gegenseitig an und verbannt jede Bosheit aus eurer Mitte.

32   Seid vielmehr umgänglich und hilfsbereit. Vergebt euch. 

1.       Einleitung

Und --- schon mal --- gelogen? JA ---- gelogen.

Ich meine, wenn man bewusst die Unwahrheit sagt und damit einer anderen Person, Organisation oder in die Irre führt; ohne mit der Wimper zu zucken?

Und --- schon mal über die Strenge geschlagen. Ja, über die Strenge, beim Essen, Trinken, Autofahren oder Sex?  Ja. Schon mal über die Strenge geschlagen? Also bewusst alle Vernunft abgestellt und sich komplett gehen lassen?

Und --- schon mal so richtig abgelästert über andere. Ja, abgelästert.

Komische Fragen? Fragen zu Übertretungen, wie Lüge, Völlerei, Sauferei, Maßlosigkeit, Wut oder Lästerei?

Ich weiß, das hört sich ziemlich katholisch an. Denn diese scheinen ja die sieben Todsünden zu sein, die es in der katholischen Kirche als Gegenüber zu den sieben Barmherzigkeiten hat. Nun wir haben weder als Evangelische Barmherzigkeiten noch Todsünden.

1. Superbia (Hochmut, Stolz, Eitelkeit, Übermut); 2. Avaritia (Geiz mit Habgier, Habsucht); 3. Luxuria (Wollust mit Ausschweifung, Genusssucht, Begehren, Unkeuschheit); 4. Ira (Zorn mit Jähzorn, Wut, Rachsucht), 5. Gula (Völlerei, mit Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht); 6. Invidia (Neid mit Eifersucht, Missgunst); 7. Acedia (Faulheit mit Feigheit, Ignoranz, Überdruss, Trägheit des Herzens)

Der Frage, der wir heute nachgehen, ist nach dem vollkommenem, dem perfekten Leben. Ja dem perfekten Leben.

Um nichts anders geht es heute. Machen wir mal den Test. Wer führt ein perfektes Leben oder ein vollkommenens? Nun – keine Scheu.

Tja – das ist so – wie auf der Umschalgseite. Ich habe dort den vitruvianischen Mann abgebildet, also den Perfekten Mann hinsichtlich seiner proportionen. Und dabei geht es um den Kreis und das Viereck, also die Außenproportionen. Das Bild stammt aus einem Skizzenbuch von Leonardo da Vinci um 1490. Wie wichtig Proportionen sind, merkt man dann, wenn man nicht dem Proporz entspricht; also dem idealen, vollkommenen Verhältnis. Also beispielsweise, wenn der Proporz zwischen Taschengeld Einnahme mit Taschengeld-Ausgabe nicht übereinstimmt. Oder wenn das Verhältnis von Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklafft bei Kochen, Sportmachen oder die Waage anflunkern.

Das Männerbild von dem Maler und Architekten da Vinci macht dies deutlich. Überall scheint es ein derartige idealtypische Verhältnisbestimmung zu geben; selbst bei den Treppenstufen. Das ideale Maß einer Treppenstufe zur nächsten ist….: 17/29 [Höhe zum Auftritt in cm) oder im Proporz von 1:1,7. Wer mal so eine Treppe gelaufen ist, will nie eine andere laufen. Aber – wie im richtigen leben, sind halt die Treppenstufen er von der Gebäudestruktur abhängig und meist nicht umgedreht. Also das mit dem Perfekt und vollkommen ist so eine Sache.

2.       Bibeltext

Der heutige Predigttext bespricht das Thema Vollkommenheit im Blick auf die Frage: Wie müssten eigentlich Christen sein? Wie sich verhalten? Reden? Arbeiten? Spenden? Leben?

Hören wir mal in die Passage aus dem Epheserbrief im 4. Kapitel. Ich habe den Text auf der Rückseite des Gottesdienstblattes abgedruckt.

Vorlesen.

Bevor wir auf den Text eingehen, einige Sicherheitshinweise:

Wer auch immer der Schreiber des Epheserbriefs ist, Paulus oder eher einer seiner Jünger, der Verfasser liebt lange Sätze und Wortreichtum (Plerophorie). Er nutzt dabei im Griechischen Satzaufbauten, die oft in der griechischen Sprache häufig unklar bleibt. An die Stelle einer klaren Argumentation tritt somit häufig die Assoziation, also das eigene Vermuten.

Insofern erscheint der Epheserbrief insgesamt etwas sprunghaft, was aber möglicherweise seiner Funktion zu verdanken ist. Man kann annehmen, dass der Brief nicht nur an die Epheser ging sondern an alle Gemeinden in Kleinasien. Der Brief ist damit eher eine Art Rundbrief oder eine Art Sicherheitsbelehrung, eine christliche Unterweisung, die man in der Bibel auf Paränese (also Ermahnung) bezeichnet.

Diese Verhaltensunterweisungen oder Ermahnungen bestimmten den zweiten Teil des Rundschreibens, erhalten als Ausgabe an die Epheser. Heute würde das ganze in einer Art Powerpointpräsentation ablaufen bei dem auf unbedingt einzuhaltende Handlungsweisen verwiesen wird.

Die Aussagen unserer Sicherheitsermahnung ist einfach:

Fallt nicht in das alte Muster zurück bevor ihr Christen wurdet.

Keine Lügen nur Wahrheit; Kein Zorn nur Friede. Kein Diebstahl nur eigene Arbeit. Kein Lästern, sondern Wohlwollen.

Und V. 31-32: „Fort also mit aller Bitterkeit, mit Wut, Zorn und gehässigem Gerede! Schreit euch nicht gegenseitig an und verbannt jede Bosheit aus eurer Mitte. Seid vielmehr umgänglich und hilfsbereit. Vergebt euch.

Cool oder oder schlicht eiskalt.

Warum ist eigentlich der Anspruch an das Supermenschensein als Christ hier so besonders?

Zunächst scheint aus dem jungen Christentum etwas die Luft raus zu sein so um 80 nach Christus. Möglicherweise auch eine Auswirkung des jüdischen Krieges (66-74 n. Chr.) vor allem für die Judenchristen.

Gleichwohl scheint ein Veralltäglichung des christlichen Lebens vorgekommen zu sein. Die Sonderform der christliche Kommune hat sicher schon lange sein Ende gefunden. Denn wer sollte Hunderte oder gar Tausende Menschen ernähren, wenn diese nicht arbeiteten. So bricht auch die Apostelgeschichte mit der Erzählung der Urgemeinde plötzlich ab. Grundsätzlich ist dies aber Spekulation. Das Schreiben an die Epheser macht nur eines deutlich: Die Ermahnung ist erforderlich.

3.       Jesus - der neue Menschenmacher

Der Verfasser erinnert mit einem gewaltigen Beispiel an die Veränderung zum idealen und perfekten Menschen in Christus. Gerade das richtige Verhalten im Leben ohne die Betrügereien des Alltags sind wesentliche Ausdrucksform, wenn man oder frau Christ/in ist.

Im Kapitel 2 wird Christus als das Geschenk Gottes bezeichnet, welches das Leben in den neuen Menschen, der der Christ geworden ist, gebracht hat. Christus ist die Gnade Gottes, die als Geschenk dem neuen Menschen zueigen ist. Kann man hassen, wenn man liebt? Kann man lügen, wenn man Wahrheit in sich trägt? Kann man völlen, saufen, über die Strenge schlagen, so dass man den eigenen Leib mit unreinen Handlungen beschmutzt?

Nach dem Autor des Epheserbriefs führt das wieder zurück in den Tod, der durch die Heiligung Christi teuer – eigentlich – erkauft war.

4.       Heute

Wie ist das heute mit dem eigenen Verhalten, wenn man Christ ist? Interessiert das noch jemanden? Scheinbar. Denn - wie sollte ich sonst die vielfältigen Angriffe gegen meine Person beispielsweise deuten? Wie sollte ich mich erwehren, wenn eine Fülle von Lügen und Skyballa auf mir und der Paulusgemeinde ausgegossen wird, nur um die eigene Macht, das eigene Vorrecht oder die eigenen egoistischen Vorstellungen wie etwas zu sein hat oder sein muss, deuten? Warum glauben Menschen das besser zu wissen ohne  dass sie uns dieses Wissen mitteilen, sondern schlicht in den Kriegsmodus schalten um die leitenden Christen niedermachen zu wollen? Ich verstehe es nicht. Aber vielleicht muss man das auch nicht verstehen. Während des Flächenkrieges von 2013/2014 bis 2016 in Raunheim ist ja so viel, so viel Unsägliches zusammengekommen, dass es schlicht weh tat. Die Mängel und Fehler der Evangelischen in Raunheim waren so deutlich, dass es eines Rufe nach mir bedurfte, der nun – nach wesentliche Klärungen – ebenso negiert wird.

Wir sind mit Christus ein neuer Mensch geworden und haben den alten Menschen abgelegt. Warum dann dieser Weg, bevor ich überhaupt hier war? Und nun – als das Sinnbild für die Überwindung dieser nach wie vor unsäglichen Phase mit vielen Fehlern, Verletzungen. Wenn nun ich das Feindbild einiger geworden bin, so stimmt mich das traurig.

Aber der neue Mensch in uns, zwingt uns mit Klarheit und Wahrheit und einem geraden Rücken die Aufgaben wahrzunehmen.

Warum sollten wir – mit den Worten des Epheserbriefes – dem Teufel Raum geben, indem wir die kriegerische Variante des Christentums glauben ziehen zu müssen?

Die Zukunft Gottes liegt uns zu Füßen. Die Zukunft in Christus ist unser Leben. Und die Zukunft des Evangelischen in Raunheim ist unsere Aufgabe. Warum beginnen wir nicht damit, dass sichtbar wird, was das Evangelische in Raunheim ist? Warum vereinen wir uns nicht zu dem, was im Angesicht des Evangeliums eine notwendige Lösung wäre?

Ich weiß es nicht, denn die Zukunft unter Gottes Schild, unter Gottes Verheißung und unter Gottes Lebensgewissheit sollte uns froh stimmen.

Also – ich bete dafür.

Amen

Herr schenke und deine Zukunft und mache unsere Herzen weit.Amen.